Es war einmal ein schönes Märchenreich,der König war ein ganz schlauer Geschichtenerzähler. Und da er sich für hochgebildet hielt, schaffte er sich eine Frau an, die das mit der Bildung des Volkes in seinem Reich ein wenig koordinieren sollte ...
Genauso könnte die wunderbare Geschichte des Ministerpräsidenten Koch und seiner Bildungsministerin Wolff geklungen haben, als man sie das erste Mal den Leuten im Land erzählt hat. Was hat diese Bildungsministerin nicht alles für Neuigkeiten geschaffen, die die Landesbevölkerung umso mehr mag und dafür seine Bildungsministerin umso mehr liebt.
Liebt?
Als Liebe würde ich es nicht eben bezeichnen.
Die Konservativen haben sich gegenseitig auf die Schulter geklopft, als sie auf die glorreiche Idee kamen, das Abitur, das der Schüler braucht, um zum Studierenden zu werden, in seiner Dauer von 9 auf 8 Jahre, herunterzukürzen. Es durfte ja nicht sein, das die hessischen Schüler noch ein wenig Zeit dafür aufbringen, wenn sie wirklich Studierende werden wollten, um sich ein soziales, ausgewogenes Umfeld zu schaffen.
Man kam demnach auf mehrere geniale Ideen, die man dann auch gleich begann, direkt umzusetzen. Egal, wie diletantisch man dies tun würde, wichtig war, das man es überhaupt tat. Und das es Steuergelder fraß, obwohl keinerlei Änderung abzusehen war.
Irgendein Spaßvogel im Finanzministerium kam dann drauf, das ein komplettes Schuljahr eine bestimmte Anzahl Unterrichtsstunden bedeutet, und das man diesen Betrag an Lehrergehältern doch fleißig einsparen könnte. Damit kann man dann die Luxuskarosse des Ministerpräsidenten ein wenig auffrisieren und vielleicht auch dem einen oder anderen Minister eine bessere Rente sichern. Wichtig war, das kein Geld zum Bürger zurückfloß. Also einigte man sich darauf, eine bestimmte Menge Lehrer zu entlassen, um deren Gehälter entsprechend einzusparen. Immerhin sparte man auch am Abitur, so das ja entsprechende Stunden frei wurden. Und Freistunden, so die Politik, müssen nicht bezahlt werden.
Als dann die hessischen Schuldirektoren mit dieser Neuregelung nicht einverstanden waren, versprach die Bildungsministerin Abhilfe. Und jene sollte durch die Unterrichtsgarantie plus auf alle Fälle erfüllt werden. Jedoch gab es dabei ein Problem. Lehrer, die man vorher mit vollem Gehalt entlassen hatten, würden zwar gerne weiter unterrichten, nur dann auch gerne wieder zu ihrem Gehalt, das Ihnen ein Auskommen sicherte. Damit war die hessische Bildungsministerin gar nicht einverstanden und griff zu einer Notlösung.
An der Stelle der richtig ausgebildeten Lehrer, Pädagogen und Sozialarbeiter könnte doch die anstehende Arbeit ohne weiteres von Hartz IV-Empfängern und Ehrenamtlichen erledigt werden. Als man dann in den Vermittlungszentren der BA nachfragte, offenbarte sich eine weitere Schwäche der Reform. Normalerweise gäbe es ja genügend Bewerber. Aber manche davon hatten schon einmal im Knast wegen Diebstahl, sexueller Mißbrauch von Kindern, Mißhandlung und anderer übler Dinge gesessen. Solche Leute konnte man also unmöglich nehmen.
Daraufhin beschwerten sich die Schuldirektoren des Landes ganz formell bei ihrem Dienstherrn (dem Ministerpräsidenten) und forderten eine Abstellung der miserablen Zustände, unter denen nun Unterricht gemacht werden mußte. Doch man hörte nicht auf sie, sondern bestellte sie ein, nach Frankfurt/Main, in eine große Halle, wo sie alle ihren Eid auf die Bildungsministerin schwören sollten. Diejenigen, die den Eid verweigerten, sollten dann politisch kalkuliert als Schädlinge des Bundeslandes kalt gestellt werden. Zum Glück gingen schon einige Tage vor der Einbestellung die Schuldirektoren zur Presse im Lande und machten dieses Benehmen publik.
Nur gebracht hat es auch nicht viel. Den Schulen fehlt es nach wie vor an Personal. Die Abiturreife dauert immer noch 8, anstatt 9 Jahre. Und in den meisten Schulen gibt es mehr unbezahlte Frei- als richtige Unterrichtsstunden. Die Anzahl Hartz IV-Empfänger, die als Unterrichtsgarantierer plus wieder zu ein wenig Lohn und Brot gekommen sind, kann man in Fulda, Marburg, Kassel und Giessen an einer Hand abzählen.
Wenn so herum also wirklich Bildung garantiert sein soll, stellt sich die Frage, was die lieben Kinderchen in der Schule lernen sollten. Etwa den Inhalt des Parteibuches der CDU auswendig? Fast scheint es so. Und dies ist traurig, gibt es doch in Hessen insgesamt drei Schulen, die im vergangenen Jahr bei der europaweit stattfindenen Wissensolympiade unter den ersten fünf Platzierten waren. Und dies, obwohl fast 45% des Unterrichts ausgefallen ist. Aber der Nichtausfall war nicht der Verdienst von Bildungsministerin Wolff!
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