Samstag, 12. Januar 2008

Und nochmal Ausländer!

Allmählich beginnt mir dieser Verein echt Spaß zu machen. Entweder feiern die schon Karneval (die 5. Jahreszeit) oder aber während ihrer vertraulichen Gespräche genehmigen sich CDU-Abgeordnete hin und wieder einmal ein Glas zuviel.

Im aktuellen Wahlkampfthema migrantile Jugendkriminalität, mit dem sich schon andere, auch Bundeskanzler, lächerlich gemacht haben (da ja nicht sein darf, was nicht sein kann), scheint sich wirklich kein Konservative zu hochherrschaftlich zu sein, um sich da nicht auch noch zu involvieren und seinen Namen auch noch in der Presse vorzufinden. Und da das Thema bei der CDU (zumindest hier in Hessen) Wahlkampfthema ist, springen eine Menge Parteifreunde (außer dem Intelligenzbolzen aus dem Saarland - Peter Müller) dem so arg gegängelten Ministerpräsidenten Roland Koch bei.

Ein weiteres Stiefkind des gelebten Sozialismus hat sich nun auch zu Wort gemeldet. Ein gestandener Konservativer, von dem man bisher dachte, er wisse wovon er spricht. Anscheinend weiß er zwar die Grundlagen des Themas, aber das Thema selbst ist ihm fremd. Wie eigentlich jedem Konservativen, der bei der ehemaligen Unterstützer- und Nachfolgepartei der NSDAP eingetreten ist.

Ausländer, die ihre Kinder vom Deutschlernen abhielten, sollten künftig kein Kindergeld und keine Sozialhilfe mehr bekommen, verlangte Wirtschaftsexperte Laurenz Meyer in der "Bild"-Zeitung vom Samstag.

Ich finde diesen Spruch wunderbar. Zeigt er doch eindeutig die Sparpotentiale in unserer Bundesregierung auf. Ok, Laurenz Meyer hat sich seinen Platz in der Geschichte durch anderes verdient. Aber diesmal hat er echt den Vogel des Tages abgeschossen. Ungleichbehandlung = Gleichbehandlung. Wieso fühle ich mich bei solchen Sprüchen an die Nürnberger Gesetze erinnert?!

Ganz allgemein behauptet die CDU in diesem, ihrem, Wahlk(r)ampf folgendes: Ausländer, die hier in Deutschland leben, aber sich nicht integrieren, werden zwangsläufig gewalttätig und zu einem gesellschaftlichen Problem. Diese Behauptung ist nur durch eines zu belegen: Durch die ständig steigenden Kürzungen in den sozialen Sektoren der einzelnen, CDU-kontrollierten, Bundesländern.

Ich finde es schon spaßig, wenn mir ein Konservativer erzählt, die Ausländer würden nur deshalb kriminell, weil sie keine Zukunftsperspektiven hätten. Hallo, Leute! Wieviel Zukunftsperspektive hat denn ein deutscher Jugendlicher? Ich würde hier sagen, das dessen Chance auf Festanstellung in den vergangenen Jahren auch ziemlich in den Keller gegangen sind. Und dies, obwohl man von einem deutschen Jugendlichen im allgemeinen davon ausgehen kann, das er der deutschen Sprache in Schrift und Sprache mächtig ist.

Die Idee von Laurenz Meyer hat, außer dem bitteren Nachgeschmack, an Ereignisse vor gut 70 Jahren anzuknüpfen, jedoch noch eine andere Wirkung. Und jene halte ich für bedeutend aussagekräftiger. Zeigt uns damit Herr Meyer nicht eindeutig auf, das die CDU unwählbar geworden ist? Das wir unbedingt eine dritte Legislatur von Herrn Roland Koch verhindern müssen?

Wer die alte Regelung des Gleichheitsartikels im Grundgesetz bereit ist, so schnell mit Füßen zu treten, ist auch jederzeit bereit, die alten Gaskammern der stillgelegten KZs wieder anzuschmeißen, um die Leute loszuwerden, die er nicht leiden kann. Jemand, der lieber Menschen verrecken und verhungern lassen will, darf nicht einmal mehr auf Bundesebene in die Regierungsgewalt kommen. Eine solche Partei, die solche Forderungen (wenn auch nur als einfache Gedankengänge) aufstellt, gehört nach demokratischer Denkweise verboten. So eine Partei ist schlimmer als die NPD selbst - und diese wird schon vornehmlich von unseren Verfassungsschützern kontrolliert.

Es geht hier nicht um den Glauben. Sondern nur darum, wie sich jemand wie Laurenz Meyer es anmaßen kann, die Nürnberger Gesetze wieder aus der Schublade zu holen und damit den Wahlkämpfer Roland Koch unterstützen zu wollen. Ich meine, wenn man keine Ausländer in unserem Land haben will, dann soll man es, verdammt noch einmal, offen und ehrlich sagen. Und nicht versteckt rüber bringen, ja dann streichen wir denen eben Kindergeld und Sozialhilfe! Die CDU in Hessen setzt in diesem Jahr ausnahmsweise einmal auf einen halbwegs ehrlichen Wahlkampf, da die Hauptthemen diesmal von den LINKEn gesetzt wurden und nicht von der Mutter der Sozialdemokratie (auch wenn sich das die Lügnerin Ypsilanti noch so sehr einbildet, wird es nicht wahrer). Dumm ist nur, das Herr Laurenz Meyer, und mag er es eigentlich noch so gut mit Ministerpräsident Roland Koch gemeint haben, mit dieser heutigen Äußerung dessen Wahlsieg versemmelte. Nun kann die CDU in Hessen nicht mehr gewinnen. Und wissen sie was: Es ist auch gut so!

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