Donnerstag, 10. Januar 2008

Homosexuellenphobie & kleine Kunst

Es ist wieder so weit.

Demnächst ist wieder Christival. Ja, dieses kleine Ereignis ist mir selbstverständlich auch bekannt. Aber diesmal habe ich etwas zu monieren. Es ist nicht viel, aber es ist das gleiche, was auch Volker Beck (Die Grünen/B90) so bemängelt.

Das Christival ist ein kleines, schönes Festival im Namen des Christentums der RKK (auch dazu wird es hier später bestimmt noch Texte geben), das vornehmlich junge Leute anziehen soll. Ist ja auch nichts schlimmes, denkt man sich so. Es ist auch nichts schlimmes, wenn die Bundesfamilienministerin da mal wieder Schirmherrin auf dem Bremer Festival des Christentums sein wird.

Warum regt sich denn nun Volker Beck so wahnsinnig über unsere untalentierte, siebenfache Mutter auf? Es hat auch nichts damit zu tun, das sie aus der Familie des ehemaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Albrecht kommt. Nein, es ist noch schlimmer. Wie ja bereits auf einigen homophoben, im Ausland gehosteten, Internetseiten so groß verkündet wird, stellt das Christentum die mit Abstand beste Medizin gegen die gelebte Homosexualität dar. Und genau das ist das Thema. Volker Beck ist quasi ein direkt Betroffener.

Auf dem Christival in diesem Jahr wird ein Zweitagesseminar (zumindest laut der im Internet abrufbaren Infors) angeboten, in dem man lernen kann, mit seiner widernatürlichen sexuellen Ausrichtung zurecht zu kommen und sich wieder auf das andere, noch existente Geschlecht zu fokussieren. Und dies alles unter Zuhilfenahme von Gottes Kräften.

Jetzt regt sich also Volker Beck darüber auf, das ausgerechnet die der CDU angehörende Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen, Schirmherrin des Christvals ist. Wie gesagt, die Schirmherrschaft über ein populäres städtisches Ereignis zu übernehmen, ist kein Verbrechen. Aber es scheint ein Verbrechen zu sein, die Schirmherrschaft dort zu übernehmen, wenn Jugendlichen eine Möglichkeit geboten wird, besser mit ihrer Homosexualität klar zu kommen.

Ich habe auch nichts gegen die Grünen/B90 im allgemeinen. Bisher fand ich noch kein Haar hier im hessischen Wahlkampf, aber noch ist nicht der 27., also bleibt mir noch Zeit, ein wenig danach zu suchen, Und Herr Volker Beck macht es einem da nicht gerade einfach.

Unsere Bundesfamilienministerin hat das Recht hier die Schirmherrschaft im Namen ihrer Partei zu übernehmen. Das bei diesem Festival auch ein Seminar angeboten wird, das Homosexuellen helfen soll, besser mit ihrer Neigung umzugehen und diese mit ihrem Glauben zu bekämpfen, liegt alleine im Anliegen des Veranstalters.

Womit wir endgültig bei der Kleinkunst angekommen sind. Das Verhalten von Volker Beck, als leidvoll betroffenen, kann ich sogar nachvollziehen. Wer will schon als Mitglied der Bundespartei Die Grünen/B90 offen zugeben, das einem der Glauben an den grünen Glauben* nicht sonderlich weit geholfen hat und das das so verhasste Christentum nun wirklich eine Lösung für das Problem, unter dem man anscheinend leidet, bereit hält.

Ich habe nichts gegen Homosexualität. Absolut nicht. Auch kann ich Frau von der Leyen sehr gut verstehen, wenn sie bei einer christlichen Veranstaltung die Schirmherrschaft übernimmt. Es ist ja klar, das ein grüner und bekennender Homosexueller von Christen, die Homosexualität aus irgendwelchen mit ihrem Glauben zusammenhängenden Gründen ablehnen, nicht zum Schirmherr gemacht werden kann.

Andererseits offenbart diese kleine bremer Geschichte auch die Geisteshaltung der CDU zu gewissen Streitthemen in unserer Kultur. Und dies fällt hier auch wieder unter das Label Kleinkunst. Während sich Roland Koch völlig in der Jugendkriminalitätsdebatte vergallopiert, schafft es nicht einmal mehr die total unfähige Frau von der Leyen mit ihrer Schirmherrschaft beim Christival die Show zu stehlen. In welchem Land leben wir, wenn einige straffällige Migranten gewichtiger sind als eine Heilungsschance für Homosexuelle?

Keine Kommentare: