Parteiinterne Probleme sollte man niemals an die Öffentlichkeit dringen lassen. Nun hat jedoch die Mama Sozialdemokratie eindeutig gezeigt, das sie nicht einmal dazu in der Lage ist, das kleinste und unwichtigste Geheimnis für sich zu behalten. Das die Mehrzahl der bundesdeutschen Bürger Parteigänger der CDU sind, hat erst vor kurzem eine überregionale Zeitschrift nachgewiesen. In jedem von uns steckt ein Koch-Sympathisant und für die Sozialdemokraten bleibt dann nicht mehr viel übrig.
Aber Halt. Hier schreibe ich totalen Blödsinn! Mama Sozialdemokratie hat nicht total verloren. Nein, absolut nicht. In einem Bundesland dauern die Kämpfe zwischen dem linken und dem offenkundigen rechten Flügel weiterhin an. Und in diesem Bundesland hat ausgerechnet der Witz Andrea Ypsilanti das Sagen. Die SPD, nicht nur in Hessen, hat nach dem Wahldebakel von Hamburg und der Wichtigtuerei eines Herrn Scheer in Hessen, einen Sympathieschwund zu verzeichnen, der kaum geringer ist als derjenige, den einst Bundeskanzler Schröder auslöste, als er mit der beknackten britischen Agenda 2010 bei der eigenen Partei hausieren ging. Ok, Tony Blair war ein wenig intelligenter und hat vorher schon den T€uro nicht akzeptiert. Aber sonderlich clever war die ganze Agenda-Politik letztlich doch nicht.
In der Bundes-SPD opferten sich Clement, Struck und Müntefering, um der Partei einen so schlechten Ruf bei der sonst üblichen Klientel zu verschaffen, das man daran gehen konnte, den Liberalen die Kundschaft streitig zu machen. Also all jene wirtschaftlichen Kriegsgewinnler wie Architekten, Schein-Selbstständige, Frührentner aus dem Beamtenstadl und natürlich die Kommunalpolitiker.
Nachdem Mama Sozialdemokratie nun ein wenig Intelligenz nachgewiesen hat, setzte sie oben genannte Personen leider nicht komplett vor die Tür. Struck, der ewige Quertreiber ist immer noch da, ist aber von dem abgewichen, das er unter einem Kanzler Schröder so vehement verteidigte: Dem Recht auf Armut in einem reichen Land! Wäre die Liechtensteinaffäre des Herrn Zumwinkel nicht Mama Sozialdemokratie zur Hilfe gekommen, sähe es wahrscheinlich noch düsterer aus als so schon.
Aber wir waren bei Hessen, dem einzigen Bundesland, in dem ein vehementer Kleinkrieg zwischen dem Netzwerk, den neoliberalen Eierköpfen, und den Linken, unter der Führung der Landeschefin Andrea Ypsilanti, ausgebrochen ist. Nur der Seeheimer Kreis weiß nicht so recht, auf wessen Seite er sich eigentlich schlagen soll. Mit den neoliberalen Idioten in den eigenen Reihen will man nichts zu tun haben und die Forderungen von Frau Ypsilanti sind für die Seeheimer Kreisler eindeutig zu harsch, als das man bereit wäre, sie offen umzusetzen.
Doch genau hier liegt das Problem. Nun war diesen Samstag ein kleiner Parteitag oben in Hanau. Noch ist die Lösung nicht heraus. Aber es steht fest, das sich in der hessischen SPD sehr viel ändern wird, wenn Jürgen Walter, der oberste Netzwerker im Bundesland, seinen Dickkopf wirklich durchsetzt. Walter träumt unbedingt und immer wieder von einer Großen Koalition mit der CDU!
Ja, sie haben richtig gelesen. Auch ich war baff, als ich das las. Alle Wahlversprechen von Frau Ypsilanti, die zu dem Erdrutschsieg bei der Landtagswahl geführt hatten, wären damit im gleichen Moment Null und Nichtig. Jürgen Walter betreibt hier einen offenen Wählerbetrug, nicht nur um seiner eigenen Machtgelüste gerecht zu werden, sondern auch, um die Person Ypsilanti ein für alle Mal von der Parteispitze zu vertreiben. Man muß kein Genie sein, wenn die Mehrzahl der Delegierten auf diesem kleinen Parteitag dem Leitantrag zustimmen. Die nachfolgende Austrittswelle aus der SPD und Eintrittswelle bei DEN LINKEn wäre wohl das größte Phänomen seiner Zeit. Was hier von Herrn Walter betrieben wird, ist das schlimmste und übelste, was ich jemals in der Politik habe beobachten dürfen.
Klar, das sich bei einem solch generellen Versagen und einem solch offenen Wortbruch von Seitens der SPD die AStA hier in Darmstadt zukünftig überlegen wird, wem sie sich anvertraut und vor allem, wem sie ihre Stimme gibt. Erreicht Herr Walter wirklich die Zustimmung zu einer Großen Koalition mit der CDU, um angeblich Hessen regierungsfähig zu halten, bekommt er dies dann auch durch, wenn Ministerpräsident Roland Koch im Amt bleibt. Was dazu führen wird, zwangsläufig, das die Studiengebühren in Hessen eben nicht zurückgenommen werden. Da Herr Walter dies alles managt, dürfte die Wut der hessischen Studenten sich landesweit auf seinem Kopf entladen. Er wäre jedoch so weit fein raus, da er nicht gezwungen ist (als Partei- und Fraktionsvize von Frau Ypsilanti) deren Versprechen einzuhalten.
Noch bekämpfen sich die parteiinternen Flügel vehement. Aber wie man aus diversen Ortsvereinen hört, wurden dort von Herrn Walter die OVVVs unter Druck gesetzt, besser seiner Politik zu folgen, als dem sozialerem Programm einer Frau Ypsilanti, die wahrscheinlich politisch am Ende ist, sobald die Bundesstaatsanwaltschaft entschieden hat, wie die Ermittlungen im Erpressungsfall Metzger letztlich zu sehen sind. Um es hier noch ein wenig weiter auf die Spitze zu treiben verweigert Frau Metzger aus gesundheitlichen Gründen (obwohl sie nominierte Delegierte für Darmstadt ist) die Teilname an diesem kleinen Parteitag.
Wie man also sieht werden die Grabenkämpfe noch ein wenig weiter andauern. Ich empfehle deshalb jedem SPD-Ortsvereinsvorsitzenden jetzt und genau jetzt zu dieser Zeit die geplante Politik von Frau Ypsilanti zu stützen und nicht die des Königsmörders Jürgen Walter. Kommt Walter zum Zuge, bleibt Koch im Amt und der gute Wahlerfolg war für die Katz. Oder besser, er ist dann im Arsch. Jeder kleine Ortsvereinsvorstandsvorsitzende sollte sich schleunigst auf die Seite von Frau Ypsilanti schlagen, wenn er wirklich eine human verträgliche Politik in Hessen will. Ansonsten wird es in diesem Bundesland eine Abwanderung der Industrie geben, die bereits unter der bislang erfolgreichen Politik eines Herrn Roland Koch eingesetzt hat. Hier an dieser Stelle ist jeder einzelne Ortsverein der SPD gefragt, sich endlich von der Agenda 2010 zu lösen, Hartz IV wieder durch das alte System auszutauschen und wieder für ein menschenwürdiges Dasein der ärmsten und schwächsten unserer Gesellschaft einzusetzen. Tut Mama Sozialdemokratie dies nicht mit ihren Ortsvereinen kann es durch die große Koalition, die Herr Walter plant, zu einem grausamen Aufwachen kommen, das die wenigsten Ortsvereine überleben werden. Allein der Bereich Darmstadt-Dieburg und der Bereich Bergstraße noch dazu sind als politische Krisenherde in der Vergangenheit immer aufgefallen. Ob sie es diesmal wieder tun und offen Widerstand leisten und mithelfen diese Flügelkriege zu beenden, liegt allein in der Hand der dortigen Ortsvereinsvorstandvorsitzenden. Machen sie ihre Arbeit gut, hat die SPD im Bundesland noch eine Zukunft. Ansonsten braucht man sich nicht zu bemühen, Kurt Beck als Kanzlerkandidaten aufzustellen, da man dann bundesweit nicht einmal mehr die 5%-Hürde mehr schaffen kann. Es wäre der Untergang der deutschen Sozialdemokratie, ausgelöst durch den Machtdurst eines einzigen hessischen Mannes. Und effektiver als es Schröder jemals gekonnt hätte!