Dienstag, 1. April 2008

Post-Streik ???

Man hat ja schon viel gehört. Und noch mehr gesehen. Aber Deutschland geht eindeutig guten Zeiten entgegen. Vor allem dann, wenn die Post mal wieder, was sehr, sehr selten vorkommt, bei uns streikt. Aber ist ein Post-Streik wirklich etwas schlechtes?

Man bedenke hierbei die allgemeine deutsche Zahlungsmoral, vor allem bei jenen Menschen, die genug Geld haben. Ist es da nicht praktisch, wenn eine Rechnung oder Mahnungsaufforderung verspätet eintrifft? Oder einfacher ausgedrückt: ist es nicht im allgemeinen praktischer, wenn so ein Mahnbriefchen nun durch den Poststreik nicht terminlich gerecht ausgeliefert und dadurch der gesamte Schuldtitel rechtsunwirksam wird?

Ver.di geht nach eigenen Angaben davon aus, dass allein in Nordrhein-Westfalen 500 000 Brief- und 15 000 Paketsendungen betroffen sind. Im Großraum Frankfurt soll sich die Auslieferung von 65 Prozent der Sendungen um mindestens einen Tag verzögern. Betroffen sind 420 000 Briefe und 24 000 Pakete, wie die Gewerkschaft mitteilte. Im Großraum München soll die Briefzustellung fast komplett ausfallen. Postkunden müssen sich nach Gewerkschaftsangaben auch in den kommenden Tagen immer darauf einstellen, dass kein Briefträger vorbeikommt.
Man mag hier spotten, aber dieser Poststreik könnte diesmal wirklich Arbeitsplätze schaffen. Zum Beispiel in der chronisch unterbezahlten privaten Postindustrie. Ja, ich schreibe hier Industrie, weil hier der Mensch bereits zu einem reinen Warenbestand verkommen ist, der täglich seine 14 Stunden Schwerstarbeit abliefern muß - für einen Hungerlohn.

Somit dürfte klar sein, das indirekt beide Nachrichten, die ich heute online stelle, durchaus etwas miteinander zu tun haben. Die PIN Group hat mit einer falschen Gewerkschaft versucht einen gewaltigen Betrug durchzuziehen, scheiterte jedoch an den kleinen Unwägbarkeiten des Lebens. Mit dem Endergebnis, das es in der Postzustellungsbranche nun einen Mindeslohn gibt. Aber das dieser Mindeslohn von der ver.di auch nicht so gerne gesehen ist, zeigt doch gerade dieser mustergültige Streikt, der quasi unnötig ist. Immerhin ist Zumwinkel nicht mehr Chef der Post. Warum also dieser Streik? Nur für bessere Arbeitsbedingungen? Oder für was genau?

Ich wäre der letzte, der gegen einen Poststreik ist. Nur stellt sich hier die Frage, ob dieser Streik nicht eine reine Trotzreaktion von Seitens ver.di ist, weil der Bund clevererweise den Streik seiner Beamten im aller letzten möglichen Moment verhindert hat! Ich befürworte den Poststreik, da ich sowieso kaum Post bekomme. Und für den kleinen Händler ist es gut, wenn die terminierte Mahnung ein oder zwei Tage zu spät eintrifft und er somit bis zur eidesstattlichen Erklärung noch zusätzliche Zeit gewinnt. Und für den Steuerhinterzieher ist es auch gut, wenn der Brief vom Finanzamt nicht rechtzeitig bei ihm ankommt. Doch dies ist ein anderes Thema, das nicht hierher gehört.

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