Mittwoch, 16. April 2008

Die miesen Schulbücher

Deutschland hat ein Riesenproblem. Und zwar ist dies die Bildungspolitik. Klar, unsere Berliner Politiker versuchen uns dies schon seit Jahren zu verkaufen, das mit unserer Bildungspolitik im Lande irgendetwas nicht stimmt. Richtig kraß wird der Fall jedoch, wenn es um die Lehrinhalte von Schulbüchern geht, die eigentlich nichts mit dem Themenbereich Geschichte (das ja in der schule ein separates Fach darstellt) zu tun haben.

Schauen Sie sich nun das real existierende Deutschland an: Es ist ein Land, in dem der Staat tatsächlich fast das komplette Bildungswesen übernommen hat. Er entscheidet einseitig über Struktur, Inhalte und Preis des staatlichen Bildungsangebots (das man aufgrund von Schulpflicht und Zwangsfinanzierung nicht ablehnen kann, weswegen man hier wohl kaum von einem wirklichen "Angebot“ sprechen kann). Alle fünf Jahre wird in den Bundesländern darüber abgestimmt, wie die zukünftige kollektive Schulpolitik auszusehen hat. Auch hier gibt es eine große gesellschaftliche Debatte darüber, wie, wie lange und vor allem was "unsere Kinder“ lernen sollen.
Das bestehende Problem läßt sich sehr gut über obiges Zitat beschreiben. Jedoch trifft dieses den Nagel nicht vollständig auf den Kopf. Laut dem Bildungsministerium sollen unsere Schulbücher viel zu sozial und zu kommunistisch angehaucht sein, um ihr Lernziel entsprechend fördern zu können.

Als würde der alte Feind (?) DDR noch bestehen, würde in zu vielen geschichtsunabhängigen Fächern in den Schulbüchern Aussagen getroffen, die gegen die 'soziale' Marktwirtschaft und gegen den Kapitalismus gerichtet sind. Unter anderem wird hier auch der britische Zwangskapitalismus als vermeidbares Übel aufgeführt und der Keynesismus (der ab den 90'er Jahren so populär wurde) von vorneherein als asozial abgestempelt.

Genau hierin liegt das Problem. Unsere Kinder müssen mehr asozial, also kapitalistisch, erzogen und gebildet werden. Da nur im Geld die wahre Macht und Größe eines Individuums zu finden ist. Nicht mit der Bildung oder mit dem Arbeitsplatz hat sich eine Person zu identifizieren oder zu definieren, sondern nur damit, wie sie sehr schnell zu sehr viel Geld kommt. Da nur Geld, mit Zahlenwerten bedrucktes Papier, ein wirklicher Indikator über die eigene Leistungsfähigkeit darstellt.

So die allgemeine Lehre. Nun bemühen sich schon seit längerem (ungefähr seit September letzten Jahres) die konservativ-kapitalistischen Parteien, das ihre altvordere und längst überholte Denkweise endlich Einzug in die Bildungspolitik findet. Man forciert also über die Presse, gleich über mehrere Presseorgane und Zeitungen Berichte darüber, wie unausgewogen doch die Schulbildung unserer Kinder sei. Weil sie schon in der Schule mit sozialistischem Gedankengut vergiftet würden. Kapitalismus ist alles, Egoismus ist alles, Sozialismus ist nichts. Wer bereit ist zu teilen, ist schwach. Dies soll durch diese Artikel suggeriert werden. Unsere Schulbücher pochten zu sehr auf ein soziales Weltbild, das nicht nur die Teilungsbereitschaft fördere, sondern auch die Lust am steuernhinterziehen in Liechtenstein vergällte.

Unsere Schulbücher stellen wirklich ein Problem dar. Vor allem für jene konservativ-kapitalistische Partei, die am liebsten wieder solche menschenunwürdigen Zustände wie zuerst 1923 und dann später ab 1933 in unserem Lande begrüßen würde. Vor allem jene Zustände von der Zeit nach 1933! In unserer Bildungspolitik läuft tatsächlich einiges verkehrt, wenn vor dieser Partei nicht in unseren Schulbüchern gewarnt wird. Noch wird es das. Aber wohl noch nicht genug.

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