Freitag, 15. Februar 2008

Von vorgestern, aber nicht leise

Ich kann den guten Mann wirklich verstehen. Sehr gut verstehen sogar. Und dies, obwohl ich kein Rechtswähler oder sonstiger Konservatismus-Sympathisant bin. Mir tut nur der Mann unsagbar Leid.

„Wer die Wiedereinführung der Stasi fordert und den Mauerbau rechtfertigt, gehört nicht in ein deutsches Parlament“, sagte CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla der „Bild“-Zeitung vom Freitag. Er forderte die SPD auf, den „Wackelkurs“ gegenüber der Linkspartei zu beenden. „Noch vor der Hamburg-Wahl wird deutlich, wessen Geistes Kind die Linken sind“, sagte Pofalla.

Jener Roland Pofalla gehört der Nachfolgepartei der NSDAP an. Und deren Kanzler und deren Bundesinnenminister sind dafür bekannt, das sie sehr viel Scheiße bauen, wenn der Tag nur lang genug wird. Nun meldet sich ausgerechnet einer der schlimmsten Hinterbänkler des gelebten Konservatismus mal wieder zu Wort und abermals schafft er es, sich mit seinen Äußerungen in Mißkredit zu bringen.

Ok, den Fünfparteienstaat hat niemand gewollt. In der Vergangenheit wollte man nicht einmal den Vierparteienstaat. Da genoß man noch den Dreiparteienstaat, den man als besser ansah als den Zweiparteienstaat, den die Amerikaner besaßen. Aber zu einem Einparteienstaat wollte man immer wieder von Seitens des gelebten Konservatismus zurückkehren, weil man nur so das Beste für sich vom Rahm des Lebens abschöpfen konnte.

Sagen wir es einmal so: Prinzipiell kann ich diese unqualifizierte Äußerung eines Herrn Pofalla durchaus verstehen. Aber die Logik verabschiedet sich bei mir genau in jenem Moment, wenn solche dummdreisten Sprüche von Jemandem aus der Vierten Reihe, Platz 11, im Bundestag kommt.

Das sich diesmal die eigentliche Führung der Partei des gelebten Konservatismus schön angenehm zurück gehalten hat, verstehe ich nicht, das dieser Hansdampfinallengassen schon wieder laut werden darf. Klar, es ist Mist, wenn eine andere Partei öffentlich darauf hinweist, das die Vorstufe für STASI 2.0 bereits erfüllt sind und das hier die neue Geheime Staatspolizei noch mit den Tücken der modernen Technik zu kämpfen hat. Aber das der Bundesinnenminister bereits die Vorgaben für STASI 2.0 erfüllt. Und wenn dann ausgerechnet der Wunsch nach einer neuen STASI von einer Kommunistin ausgesprochen werden (die wahrscheinlich schon seit Jahren von den Verfassungsschützern observiert wird), muß ich sagen, das diese Jungs und Mädels ihren Job äußerst mies machen müssen, wenn Frau Wegner diese Art von Überwachung sogar mitbekommt. Kein Wunder, das sie dann sofort nach einer STASI 2.0 brüllt, da allein durch die volkseigene Überwachung während der DDR-Zeit mehr Arbeitsplätze geschaffen wurden, als heute offen stehen. Wir hätten Vollbeschäftigung. Ist es nicht das Ziel der momentanen Regierung der Partei des gelebten Konservatismus, genau dafür zu Sorgen? Für Vollbeschäftigung!

Ich hätte absolut nichts dagegen, wenn ich es vom Staat bezahlt bekäme, wenn ich ihm schilderte, was meine Nachbarn den lieben langen Tag tun. Auch hätte ich nichts dagegen, deren Internetaktivitäten oder deren Telefongewohnheiten zu archivieren. Wie gesagt, wenn ich es bezahlt bekäme. Oder sonst irgendwelche persönlichen Vorteile daraus ziehen könnte.

Wir hatten in diesem Lande schon vor längerem die Neiddebatte und bei den letzten Sprüchen eines Herrn Sarazin stellt sich mir inzwischen ernsthaft die Frage, mit wie wenig Hirn ein Politiker überhaupt in den Bundestag kommen darf. Herr Pofalla jedenfalls hat den Wink mit dem Zaunpfahl nicht verstanden. Und die meisten aktiven Mitglieder der Partei DIE LINKE gleichfalls nicht.

Das sich jetzt ausgerechnet die Partei des gelebten Konservatismus, die wieder auf Zustände des Jahres 1930 zurück will, sich am lautesten über die Äußerungen einer Frau Wegner beschwert, kommt auch nicht von Zufall. Hier steckt Planung dahinter. Dumm nur, das die eigenen Pläne längst landesweit bekannt sind und so herum vom Volk nicht getragen werden. Ach ja, die zweite Äußerung von Frau Wegner hat Herr Pofalla in seiner Antwort ausgespart. Anscheinend war er auch ein Mauerfan, weil er von der ersten kein Stück abbekam. Womit wir eigentlich nur wieder in der unseligen Neiddebatte gelandet sind.

Keine Kommentare: